• +49-331-585-07-544
  • info@daniel-schuppelius.de

Der Teil-Aussteiger

Der Teil-Aussteiger

In Deutschland gehört es bei manchen Personen noch nicht zum Schick, sich mit dem Rad fortzubewegen. Viele schütteln den Kopf, wenn sie dich mit dem Rad vorfahren sehen. Sie können beim besten Willen nicht verstehen, warum man sich so etwas freiwillig an tut. Anfangs geht man immer noch Erklärungen voran, merkt aber recht schnell das ein einfaches Lächeln für die meisten Fragesteller ausreicht. Im Grunde genommen scheinen die meisten wohl zu denken, die arme Sau. Kommt man dann mal mit einigen Personen ins Gespräch, erntet man grundsätzlich diesen Typ an Fragen:

Jetzt sei mal ehrlich, du kannst dir doch kein Auto leisten oder bist so ein militanter Umweltschützer.

Nun ich kann nur für mich sprechen, aber für mich ist das Fahrrad viel mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Natürlich mag ich schnelle und kraftvolle Autos, richtig benutzen kann man sie heutzutage aber auch nicht mehr. Mehr, als mit dem Auto, kann ich jedoch mit der Natur und der Ruhe die von ihr ausgeht anfangen. Irgendwann habe festgestellt, dass ich etwas ändern muss in meinem Leben. Ständig hatte ich das Gefühl, dass irgendetwas in meinem Leben schief läuft. Eigentlich war ich doch nur noch am Schuften für meine Errungenschaften und mein Körper hat mir immer vehementer mitgeteilt, dass er meinen Lebensstil bescheidend fand. Dann noch das Gefühl, dass dir nichts richtig gehört, alles ist Austauschbar und nicht beständig gewesen. Was noch viel schlimmer für mich war, ich verpasste ständig das Leben. Zumindest würde ich heute sagen, dass ich es verpasst habe. War meine einzige Lebens-Berechtigung der Konsum? Der eigentliche Aha-Moment, war während meiner Anwesenheit in der LDS Systems GmbH. Wir waren 2 junge Unternehmer, denen die Welt offen stand. Arbeiten konnten wir wie fleißige Bienchen, nur haben wir nicht auf uns geachtet. Als ich mich dann fast auf der Autobahn hingerichtet habe, wurde mir klar wie schnell das Leben enden kann. Ich habe immer gutes Geld verdient, aber dieser Preis war mir zu hoch. Das Auftragsvolumen bot uns nur geringe Ausgleichszeiten, die Kinder sah ich nur wenige Stunden im Monat. Folglich musste ich lernen, mehr Zeit für die Familie und die Arbeit bereitzustellen. Das Auto stand mir jedes mal im Weg! Die innere Unruhe, wenn man mal wieder einen Termin nicht einhalten konnte, weil man wieder im Stau stand, hat mich mehr gestresst als alles andere. Wenn einem schon die Finger kribbeln, wenn man in ein Auto einsteigt, sollte man etwas ändern.

Zeit haben oder fordern?

Wenig verwunderlich wenn man bedenkt, dass ich mich durch meine Arbeit definiere. Es geht mir primär nicht darum Geld zu verdienen, sondern einen Job abzuliefern auf den ich stolz sein kann. Auch jetzt ist es noch so, dass ich es nicht sein lassen kann, rund um die Uhr zu arbeiten. Der Unterschied liegt nun darin, ich kann durch meine Fahrten einen Ausgleich stattfinden lassen. Effizient verdient man aus meiner Sicht nur selbst sein Geld und es gibt für mich nur wenige Angestellte in meinem Sektor, denen man/ich vertrauen würde, schließlich habe ich mit sensiblen Daten zu tun. Das Risiko noch wegen einer personellen Schwachstelle zum trocknen aufgehängt zu werden, ist mir auch heute noch zu hoch. Ich habe, systembedingt, schon genug mit den anderen Schwachstellen zu tun. Folglich arbeite ich lieber mit anderen Selbstständigen zusammen, als mit Angestellten. Natürlich haben wir bzw. ich versucht, mit ein paar Angestellten etwas Entspannung in die zeitliche Lage zu bekommen. Bisher bin ich aber damit gescheitert, denn die jetzige Generation hat aus meiner Sicht nicht mehr den Drive.

Beispielsweise hatte ich diverse Baustelle am Laufen, die ich dann am Ende so gut wie alleine erledigt habe, weil plötzlich die Krankheitstage bei gewissen Mitarbeitern in die Höhe schossen. Einige Mitarbeiter begreifen nicht, dass man die Verträge auch einhalten muss, damit der Kühlschrank gefüllt werden kann. Im Endeffekt blieb die Arbeit, dann an mir hängen. Ich stehe nicht so auf Strafzahlungen, die fällig würden, wenn man seinen Auftrag nicht erfüllt. Das klassische Rosinen picken, bei einigen Mitarbeitern, gefährdet die wirtschaftliche Gesundheit eines Unternehmens. Ein Mitarbeiter hatte zu dieser Zeit anscheinend seine ganze Familie am Sterbebett verloren. Nachdem dann sein Hund in einer Notoperation gerettet werden musste und ich ihn zufällig an diesem Tag mit seinem Hund auf der Straße gesehen habe, war für mich das Projekt Mitarbeiter beendet. Ich habe nichts dagegen, wenn man eine Pause benötigt oder andere Probleme hat, nur muss man mit mir kommunizieren. Manche Jobs sind halt nervig, dafür habe ich Verständnis. Deshalb habe ich immer dafür gesorgt, dass auch Abwechslung in den Tätigkeiten existierten. Wenn aber das Vertrauensverhältnis gestört ist, investiere ich keine Kraft mehr. Es reduziert nur meine Produktivität und mein Nervenkostüm.

Zurück zum Auto

Mit der Zeit habe ich erkannt, dass für mich das Auto eine völlig schwachsinnige Belastung ist, welche auch noch zukünftige Generationen mit Problemen versorgt. Die Chancen stehen gut, dass irgendwann auch der Letzte feststellen wird, dass wir weltweit dringend über unsere Mobilität nachdenken müssen. Stau, Platzmangel und aus meiner Sicht viel zu überzüchtete und vollgestopfte Fahrzeuge, sind nur einige der Probleme mit denen der Fahrzeugsektor zu tun hat. Aber wie bei einem Fahranfänger, fahren wir mit Vollgas auf die Umweltwand zu und glauben kurz vorher noch bremsen zu können. Wohl wissend, dass wir keine Ahnung haben wie sich das Fahrzeug auf dem Untergrund verhält bzw. ab wo wir bremsen müssten.

Tagtäglich stellen wir uns freiwillig in den Stau, bewegen uns bewusst so wenig wie möglich und führen Kriege auf den Verkehrswegen. Klassischer Weise schimpfen wir dann über die Regierung, sie tue ja nichts gegen den Kollaps. Wie soll das funktionieren, wenn immer mehr dickere Fahrzeuge den Weg auf die Strasse finden? Selbst die “Kleinstfahrzeuge” sind mittlerweile größer als der Golf 1. Vielleicht sollten wir 5-geschossig in den Städten fahren. Ach ja geht ja auch nicht -> Feinstaub. Schon mal Feinstaubmesswerte aus Delhi gesehen? Wir sind persönlich dafür verantwortlich, was wir unseren Nachfolgern hinterlassen.

Der träumende Weltverbesserer

Ich habe noch nicht herausgefunden was uns so Blind macht, aber das wir als Masse Blind sind, sollte mittlerweile jedem bewusst sein. Sucht man mal nach Begriffen wie Subsidenz, Grundwasserabsenkung, Bodenverflüssigung, Mangel an Sedimentablagerungen und dem steigenden Meeresspiegel. Beschleicht einen schon ein beklemmendes Gefühl. Verbindet man dies miteinander hat man schnell das Rezept für Katastrophen, welche die Hafenstädte schon bald ereilen werden. Ziehen wir noch das Potential eines Unwetters und des Vollmondes (Springfluten) unserer Formel hinzu… Sieht das Ergebnis recht grausig aus! Auch der Umstand, dass es immer Ausgleichsbewegungen in Systemen gibt, sollte uns zum Nachdenken anregen. Wenn das eine Extrem existiert, was ist dann die negierte Form des Extrems? Handlungsbedarf besteht in jedem Fall, ob man jetzt an den Klimawandel glaubt oder nicht. Einige Hafenstädte liegen jetzt schon meterweise unter dem Meeresspiegel und wir werden in Zukunft auch Hafenstädte an das Meer abgeben.

Ich denke man kann an dem Beitrag schön erkennen, was mein neuer Lebenswandel bei mir ausgelöst hat. Immer daran denken, nichts ist schlimmer für die eigene Entwicklung, als ständig eingetrampelte Wege zu beschreiten. Mann kann von ihnen Lernen, aber man sollte sie niemals als gesetzt betrachten. Der Spruch: Das haben wir schon immer so gemacht, ist die Bankrotterklärung für deinen Geist. Welcher sich immer über neue Nahrung freut.

Daniel Jörg Schuppelius

Assistent für Elektronik und Datentechnik

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: