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Der Markt regelt das: Kranken­häuser?

Blogbeitrag: Der Markt regelt das: Kranken­häuser?

Ihr kennt vielleicht schon meine Haltung zu neo-liberalen Wünschen einen Markt für jeden Bereich zu schaffen. Heute möchte ich mich mal über unanständige Träume zum Thema Krankenhauskapazität und Fallpauschale auslassen. Seit Jahren fordern unsere Freunde aus der Privatisierungssparte, wir müssen Krankenhäuser schließen. Andernfalls würde die Qualität der Versorgung darunter leiden. Um eine „Qualitätsmessung“ nach monetären Aspekten zu ermöglichen, führte man 2004 eine Fallpauschale ein. Krankenhäuser die nicht wirtschaften oder dem Wettbewerb nicht standhalten konnten, sollte von der Bildfläche verschwinden. Krankenhäuser sollten also zu Wirtschaftsunternehmen werden, die ihre Dienstleistungen gewinnbringend anwenden sollten. Aufgrund des mangelnden Willens, unserer Bundesländer, in Krankenhäuser zu investieren. Mussten viele Firmen… Ich meine Krankenhäuser, in jeglicher Hinsicht, am Personal sparen und es in die Infrastruktur stecken. Zum anderen war es nun auch wichtig geworden, den Kunden zu klassifizieren und so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus zu bekommen. Der Begriff „blutige Entlassung“ formte sich heraus und man begann sich auf gewinnbringende Vorgänge zu spezialisieren.

Darf es ein bisschen weniger sein?

Um das Gesundheitssystem weiter zu entlasten und weitere Einnahmenquellen zu generieren, wurde 2004 auch eine Praxisgebühr eingeführt. Diese Gebühr war aber nicht für die ausführenden Kräfte in unserem Gesundheitssystem gedacht, sie sollte die Krankenkassen mit Geld versorgen. Das angestrebte Ziel, die unnötigen Arztbesuche zu reduzieren, wurde wohl auch nicht erreicht. Daraufhin wurde die Gebühr aufgrund der Mehrbelastung der verwaltenden Ärzte und dem nicht erreichten Ziel 2012 abgeschafft. Die Krankenkassen und die Union wollten an der Praxisgebühr festhalten. Wer konnte es den Krankenkassen verübeln, denn schließlich sammelten sie, mit Hilfe dieser Gebühr, erhebliche Summen an. Bei der CDU/CSU stand mal wieder die Stärkung der beteiligen Unternehmen im Fokus. Politiker dieser Lobbyparteien sind ja bis heute der Meinung das Globuli Medikamente und Homöopathie keine Pseudowissenschaft ist. Folglich müssen diese Bereiche unter allen Umständen von der Allgemeinheit finanziert werden. Vielleicht leisten unsere Pharmakonzerne und Krankenkassen einfach nur gute und intransparente Lobbyarbeit.

Aus Sicht der Patienten, musste man mindestens einmal im Quartal zum Allgemeinmediziner gehen, um sich im Fall der Fälle eine Überweisung ausstellen lassen zu können. Anstatt also zielgerichtet den Spezialisten aufzusuchen den man benötigte. Spendierte man dem Allgemeinmediziner einen sinnlosen Besuch, den dieser natürlich in Rechnung stellte. Folglich hatte man genau das Gegenteil erreicht und ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Politiker diesen Effekt bis heute nicht begriffen haben.

Die Praxisgebühr war, aus meiner Sicht, ein begrenzt sozialer Versuch der geringverdienenden Bevölkerungsschicht den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu erschweren. Zugleich präsentierte man natürlich auch gleich das eigene Menschenbild. Es gehörte politisch zu dieser Zeit zum allgemeinen Vorgehen, schließlich sind Geringverdiener undifferenziert zu betrachten und als ein faules Pack zu klassifizieren, welches man antreiben musste. War man zu dämlich einen lukrativen Bereich zu besetzen, wurde man eher belächelt. Einem der reichsten Männer wird ein Spruch nachgesagt, welcher diese Denkweise perfekt wiedergibt.

„Wenn du arm geboren wirst, ist es nicht deine Schuld. Aber es ist deine Schuld, wenn du arm stirbst.“

Bill Gates

Ich glaube heute könnte er diese Aussage bereuen, auch vor dem Hintergrund das Bill Gates niemals arm war. Nicht ohne Grund spendet man diese Mengen an Finanzmitteln. Wer im sozialen Bereich sein Glück versucht, wäre demzufolge selbst schuld. Gewissen liberalen Kräften würde etwas Sozialkompetenz nicht schaden. Nicht alles ist mit dem Markt regelbar, vor allem Bereiche die nur mit sozialem Engagement funktionieren. Nach der Wende sind viele Bereiche dieser Monetarisierungskultur zum Opfer gefallen. Wir brauchen uns also nicht wundern, dass der Zusammenhalt in der Bevölkerung bröckelt, wenn wir den nachfolgenden Generationen suggerieren das asoziales Handeln tragfähig ist.

Vielleicht doch ein bisschen mehr?

Bei der Fallpauschale, war den Erbauern dieses Konstruktes auch nicht klar, dass die Ärzte höchstwahrscheinlich Operationen anleiern werden, die mehr Geld in die Kassen spülen. Auch das Aufrechterhalten der 2. Klassenmedizin in Deutschland spricht hier Bände. Wer konnte denn ahnen, dass einige Ärzte lieber mit Privatpatienten umgehen, als sich den Fallpauschalen auszusetzen. Hier kann man die Unfähigkeit und Gleichgültigkeit der Politik förmlich riechen. Ganz grob würde ich sagen, diese Unfähigkeit stinkt schon bis zum Himmel. Wie passt dieses Konstrukt der Monetarisierung des Gesundheitswesens mit dem Eid der Ärzte zusammen? Bin ich der einzige dem das negativ aufstößt? Ich glaube kaum! Landflucht und die Überflutung der Ballungsgebiete mit der Ärzteschaft, passt doch ganz gut in das Konzept der Fallpauschale. Ich würde auch nicht unterschreiben, dass wir einen Mangel an Ärzten und Pflegepersonal haben. Sie sind nur falsch verteilt, weil unsere Politiker falsche Anreize liefern. So wie ich das mitbekommen habe, hat man mittlerweile wohl die Personalkosten von der Fallpauschale entkoppelt. Es bleibt also spannend, wie lange man an dieser Fallpauschale festhält. Wie förderlich ist denn ein Gesundheitssystem, in dem sich Geringverdiener sorgen über eine Finanzierung, der eigenen Gesundheit, machen müssen? Klar man könnte sich noch zusätzlich versichern lassen, aber welcher arme Schlucker hat noch Geld für eine entsprechende Versicherung übrig?

Vielleicht sollte man in Zukunft dem behandelnden Arzt einfach anbieten, noch eine Hüfte oder ein Knie auf die OP-Liste zu setzen. Wer noch beide Nieren hat, kann ja eine Spende in Betracht ziehen. Vielleicht wird man als Kassenpatient dann wieder etwas interessanter für den Chefarzt. Aber Vorsicht, bleibt nicht zu lange in Behandlung. Ansonsten fehlen einem irgendwann zu viele Organe.

Das scheitern an der Realität

2004 war also der Umbau des Gesundheitssystems im Fokus. Wir können also mal schauen wie gut das System mittlerweile funktioniert. Eine kleine Googlesuche nach „Krankenhäuser überlastet Grippe“ offenbart schon eine kleine Liste an Fällen wo die Medien dies verlauteten. Seit 2010 kann man schon eine signifikante Steigerung der Überlastungsfälle beobachten. Es ist also schon bereits jetzt für ältere Semester äußerst gefährlich in Deutschland zu leben, wenn sie keine jährliche Grippeimpfung empfangen haben und auf dem Land leben. Von daher ist die angestrebte Impfflicht wohl lebensnotwendig und sollte auf sämtliche meldepflichtigen Krankheiten ausgeweitet werden. Wir alle müssen schließlich unseren Beitrag leisten. Es kann ja nicht sein, dass die Unfähigkeit der Bevölkerung eine Infektion zu unterbinden, unser Gesundheitssystem an den Rand des Abgrundes treibt.

Politiker sind offensichtlich nicht in der Lage, Voraussetzungen für ein Gesundheitssystem zu etablieren, welches den jährlichen und wiederkehrenden Belastungen stand hält. Zusammen mit dem demographischen Effekt können wir in Zukunft davon ausgehen, dass unser Gesundheitssystem fortwährend am Limit laufen wird. Ältere Menschen brauchen bekanntlich mehr medizinische Betreuung, denn das Immunsystem ist nicht mehr ganz so agil. Schaue ich mir die Berichte so an, dann ist unser Gesundheitssystem seit Jahren am Ende. Wen möchte man also, unter diesen Vorzeichen und als Fußabtreter, in die Pflegeberufe locken?

Cityclean betreut momentan nur die Eingangsbereiche der Kliniken… Vielleicht sollten Reinigungsfirmen ihr Geschäftsfeld erweitern und mit der Automatisierung punkten. Wer zu lange regungslos in der Aufnahme verweilt, weil die Kapazitäten nicht ausreichen, wird mit Kehrmaschinen entsorgt. Somit würde das Abwarten und Tee trinken, wahre Wunder bewirken, mit dem man auch noch Geld verdienen kann. Zum Glück arbeiten wir bereits an der Industrie 4.0. Zynisch könnte man sagen, dass wir froh sein können nicht das amerikanische Modell zu haben.

In Zukunft können wir ja die RettungsCard60+ (*) etablieren. Einige werden sich wohl dann die Frage stellen… Gibt es die auch in Platin? Schließlich bin ich Leistungsträger!

(*) nur gültig in teilnehmenden Geschäftsstellen der Vivantes Group und nur innerhalb der Ballungsgebiete in der Zeit von 01:00 – 02:00

Weiter wie bisher?

Für eine funktionierende Gesellschaft ist es vermutlich nicht so Gesund, wenn man selbst seine Großmutter versilbern möchte. Es schafft falsche Anreize und führt im Umkehrschluss zu einer künstlichen Verknappung notwendiger Ressourcen. Wenn wir also weiterhin versuchen jeden Menschen in ein Korsett zu stecken, berauben wir uns der Vielfalt und Entwicklung neuer Strukturen. Der selbstregelnde Markt ist nicht existent und entspricht wohl eher dem Wunsch nach Anarchie auf dem Kapitalmarkt. Wohin die Reise in unserem Gesundheitssystem geht, werden unsere Politiker aufgrund ihres Alters wohl am ehesten sehen können. Sie müssen nur die Augen offen halten und mal etwas über den eigenen Tellerrand schauen.

Daniel Jörg Schuppelius

Selbstständiger IT-Dienstleister und Assistent für Elektronik und Datentechnik, Ich bin sozusagen Mädchen für alles was die Informationstechnik angeht. Kümmere mich gerne um Probleme, an denen andere Dienstleister scheitern und bin ständig auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Entwickle gerne Programme und Skripte und kümmere mich um diverse Blogs und Seiten. Auch sonst probiere ich mich an neuen Techniken aus, um mich noch unabhängiger von anderen Personen zu machen. Wenn du willst, dass irgendetwas funktioniert, dann kümmere dich immer selbst darum.

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