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Informatiker als Architekten der Zukunft

Informatiker als Architekten der Zukunft

Informatiker sind schon ein komisches Volk, wir stehen auf klare Richtlinien, arbeiten in Kellerräumen, verfügen über ein Defizit an analogen Kontaktaufnahmen, konvertieren Kaffee in Arbeitsleistung , sind unpünktlich und glauben die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. So oder so ähnlich, sieht man unseren Berufsstand in der breiten Masse. Manchen Klischees davon, mag ich zustimmen anderen wiederum nicht. Es ist schon faszinierend, dass Grundtendenzen bei fast jedem durchscheinen.

So lange man noch mit den Klischees spielen kann, ist alles ok.

Unsere Regelverliebtheit

Unser Job ist es, allen anderen, die nichts mit Datenverarbeitung am Hut haben, diese näher zu bringen. Sei es durch Hardware oder Software. Wir kreieren wahre Meisterwerke der Perfektion und Fehler machen wir schon gar nicht ;).

In diesem Erstellungsmodus, lassen wir unsere Sicht auf die Welt / Probleme einfließen. Das dies nicht immer mit der Gedankenwelt der Endbenutzer zusammen passt, hat jeder schon miterlebt. Aber manchmal gelingt uns ein Durchbruch, ein Produkt schlägt so ein, dass wir Massen bewegen können. Wir haben das Produkt erstellt und unsere Sicht der Welt steuert nun Interaktion und Datenabfluss des Werkzeuges. Wir geben den Usern Möglichkeiten und können diese auch wieder entziehen. Das Funktioniert nur weil wir die Regeln erstellt haben und wir als “moralische” Instanz die Richtung vorgeben können.

Moral, ist so ein hochtrabendes Wort. Was meine ich damit?

Ein Gedankenspiel

Sagen wir mal, ich bekomme den Auftrag, eine Software zu entwickeln, welche ermitteln soll, wie so die sexuellen Vorlieben in Deutschland aussehen. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass Facebook über solche Datenabfragen verfügt, aber spinnen wir mal etwas herum.

Was will der Kunde und was kostet es mich?

Wie komme ich an die Daten ran? Die wollen keine Umfrage starten. Hm…Vermutlich Personaleinsparung und abflachen der Kostenstruktur… Das Tool sollte auch andere Fragen beantworten können. Also möglichst flexible Strukturen in meiner Architektur, sie muss viele Schnittstellen ansprechen… Vielleicht gibt es noch andere Geschäftsbereiche wo solche Informationen wichtig sind.

Wo bekomme ich die Daten her?

Soziale Medien… Facebook, Google an die Daten muss ich ran kommen. Wie stelle ich das an, wenn ich als kleiner Entwickler an solche Daten ran will zucken die bestimmt, sind ja schließlich “deren Daten” und dafür muss ich garantiert zahlen.

Schlau machen und schauen, was die API kann.

Ah ja, Facebook für Entwickler sieht schon mal gut aus. Die Dokumentation durchstöbern… bling bling… der Messenger könnte doch dafür Interessant sein. Also ich kann schon mal Texte senden und empfangen, Zahlungen akzetpieren… Oh was ist das denn feines. Integriertes NLP (Natural Language Processing)… Bot Anbindung, erkennen von Begrüßungen, Zeitpunkten, Mailadressen, Standort usw… hört sich erstmal gut an, kann man was mit anfangen.

Mal googlen… “Facebook Bot entwickeln”,

Gibt also Firmen mit Spezialisierung auf Chatbots für Facebook mit KI-Systemen. Wenn ich genügend Budget bzw. kaum Zeit hätte, wären diese Systeme wohl meine Wahl. Probieren wir mal einen stumpfen Chatbot ein einfaches Frage-Antwort-Spiel sollte ausreichen und die API vom Facebook-Messenger reicht mir.

Bekomme ich durch die API eine Liste der User aus Deutschland?

Kostet bestimmt… Machen wir auch hier die Spar-Variante. Hangel mich in meinem News-Feed durch die Profile, dann deren Freunde usw. Dann hab ich auch gleich die Bindungen der Personen. Vielleicht kann ich damit noch was anfangen.

Wie fange ich euch ein?

Hm… Männer bekomme ich durch schlüpfrige Fotos und animalische Sprüche. Bei Frauen müsst ich vermutlich eher ein Profil mit Wellness-Themen forcieren.

Fällt in die Testphase…

Jetzt geht es in die Entwicklungsphase. Alles möglichst einfach halten. Testen und Starten. Ein paar Freundschaften vom System einleiten, die Freundschaften jeweils mit einfachen Fragen von meinem Bot füttern und schauen welche Sprüche euch ansprechen. System spezialisieren und schon kann ich euch ausfragen…

Mache ich dies schön privat über den Messenger, ist das alles viel persönlicher und freizügiger. Jeder springt irgendwann durch bestimmte Schlüsselwörter an. Ein paar Profile müsst ich schon machen, aber das kostet mich ein müdes lächeln. Ist es anständig so vorzugehen? In der Geschäftswelt passt das schon! Je besser ich euch binden kann, desto erfolgreicher meine Unternehmung.

Facebook hat schon lange begriffen, was die Firmen wollen. Folglich sind auch eine Menge Schnittstellen vorhanden und die anderen Hersteller kommen auch ohne Probleme an die Daten ran. Es ist Facebook auch egal ob der User sagt, ich mochte meine Kontakte nicht teilen. Es wird alles genutzt worauf Entwickler Zugriff haben, ob nun Geräte APIs oder andere “Hacks”. Der Nutzer hat sich durch die Nutzung der Dienste bereiterklärt sein Leben offen zu legen. Das schöne daran, als Entwickler machst du doch nur was dir gesagt wird. Moralische Bedenken sind selten gefragt und sind diese zu stark ausgeprägt, wird man als Entwickler in einer solchen Firma auch nicht alt.

Entwickler als “moralische” Instanz?

Der Kunde, bestimmt was gern gesehen wird und was nicht. Nun, haben wir einen Kunden, der auf maximale Gewinnorientierung steht, besprechen wir mit diesem die Details und Möglichkeiten. Maximale Gewinnorientierung, steht aber meistens nicht im Einklag mit den Richtlinien der Gesellschaft. Die Richtlinien der Geschäftswelt sind da durchaus flexibler in der Auslegung. Man weist den Kunden auf die Verfehlung hin, baut das System auf und hält sich bedeckt. Der Kunde ist ja schließlich der Nutzer und wenn ich das nicht mache, macht es jemand anderes. Anders sieht es aus, wenn Entwicklungsarbeit an den Staat verkauft wird. Der Staat fragt, wir machen, ohne darüber nachzudenken was das im Klartext bedeutet. Es ist auch die neugier, was kann man alles mit diesen Daten machen, welche Rückschlüsse lassen sie zu usw.. Snowden beispielsweise hat Software entwickelt bzw. erweitert, welche den Amerikanischen Staat mit Möglichkeiten ausgestattet hat, die fern jeder rechtlichen Grundlage liegen. Er hat es bemerkt und seine Konsequenzen daraus gezogen.

Respekt von meiner Seite, dass muss man erst mal begreifen und dann auch durchziehen. Das Exil ist schon eine harte Entscheidung.

Wir bestimmen was Du siehst!

Jede Benutzeroberfläche ist nur ein Fenster mit beschränkter Funktion, die einzig wahre Oberfläche ist die Konsole. Nur die Konsole gibt Dir die Möglichkeit, die Informationen abzugreifen, welche Du benötigst. Als Entwickler müssen wir natürlich auch Daten aufbereiten und diese den Kundenwünschen entsprechend darstellen. Dafür verwenden wir GUIs, welche bestimmte Möglichkeiten bieten, welche wir festlegen können und auch tun. Was wir im Hintergrund für Dich tun, kannst du nicht nachvollziehen. Beispielsweise analysieren wir dein Verhalten und bauen daraus weitere Möglichkeiten aus, um Dich mit neuen Informationen zu versorgen. Das Problem, welches daraus entsteht ist nicht trivial. Wir bestimmen anhand von Mustern was Interessant und was weniger von Interesse ist. Wir klassifizieren Dich, bauen Deine Informationsblase aus und könnten Dich in die falsche Richtung leiten. Die Verantwortung übernehmen wir aber nicht, denn schließlich bleibt es Dir ja freigestellt, dieses Produkt zu nutzen.

Jeder weiß, dass fast alle Daten “falsch” dargestellt werden können. Auch Benutzerdaten können falsch verwendet werden. Der Kontext ist immer entscheidend, welche Frage möchte ich mit den vorhandenen Daten beantworten.

Stellen wir eine Frage: Welche bzw. Wie oft, verwenden gleichgeschlechtlich geprägte Personen Füllwörter im Verhältnis zu Heterosexuellen?

Die gestellte Frage, scheint auf den ersten Blick völlig Banane, aber man könnte daraus durchaus etwas konstruieren. Die Software ermittelt, dass ein gewisser Anteil zutrifft. Setzt dich auf eine “rosa Liste” und Du findest dich in Bereichen wieder, mit denen Du niemals gerechnet hättest. Zugegeben, ein wildes Konstrukt. Es soll nur aufzeigen was Big-Data leisten kann, wenn man mit deren Hilfe Fragen beantworten möchte. Ob Du nun anonymisiert in den Datenbanken liegst oder nicht, habe ich die passenden Dienste in der Hand, kann ich dich erkennnen. Sei es dein Spielverhalten, deine Art zu suchen oder dein Kaufverhalten. Wann spielst Du? Wo Spielst Du? Was und wo kaufst du Online? Machen andere Personen ähnliches an diesen Orten? …

Des Glückes eigener Schmied

Wie kann ich der Blase entkommen in der ich mich befinde? Eine schwierige Frage, die sich eigentlich nur damit beantworten lässt, dass es mit Arbeit verbunden ist. Man muss persönlich dafür sorgen, dass ein Austausch der Informationen stattfinden kann. Erst dann könnte man evtl. feststellen, hier habe ich etwas übersehen oder das kann ich erst einmal als gesichert ansehen. Auch die Arbeit, sich Gedanken zu machen, welche Gegenpositionen zu einer Idee existieren könnten, muss von einem Selbst erledigt werden. Die Pflicht, welche von Entwicklern noch erbracht werden muss, ist die Möglichkeit einem aufzeigen zu können, ob die Information, welche Du einsehen möchtest, in manipulativer Absicht erstellt wurde oder nicht. Hierfür müsste eine globale Kontrollinstanz existieren, welche ohne staatliche Eingriffe und finanzielle Aspekte funktionieren muss. Eine bunte Mischung von Spezialisten müsste verfügbar sein, welche eine Bewertung abgeben könnte, ohne staatliche Repressionen befürchten zu müssen. Über kurz oder lang werden sich diese Unternehmen den staatlichen Interessen unterordnen müssen. Vor allem, weil die Gesellschaft irgendwann begreifen wird, wie manipulativ die Systeme jetzt schon sind.

Für das Problem, Auswertung von Daten egal in welchem Kontext. Habe ich noch keine Idee. Grundsätzlich ist alles möglich, da wir aber in der jetzigen Zeit über kein Staats- bzw. Wirtschaftssystem verfügen, welches ohne Ausbeutung überlebt, wird sich das nicht ändern.

Gesicherte Informationen – zerbrechliche Mangelware

In Zeiten des Überinformationsangebotes, zeigen sich langsam die Schwächen. Leute welche den Geschichten der Reichsbürger verfallen, glauben das virtuelle Währungen in der jetzigen Form das Ding sind oder AFD-Sympathisanten welche mit Ängsten gefüttert werden. Dies sind nur einige Beispiele, welche eines gemeinsam haben. Sie sollen Dir vertrauen nehmen und Dich mit Angst versorgen, damit Du empfänglicher für deren Botschaften bist. Entspricht ein Beitrag diesem Angstschema, ist er vermutlich in manipulativer Absicht entstanden.

Loslassen ist besser als festhalten

Hast Du dich mal in eine Geschichte verrannt, ist es schwierig davon abzulassen, obwohl Du weißt, da kann irgendetwas nicht stimmen. Halt das klassische Bauchgefühl. Ich hab das auch schon gehabt, da ich aber von Natur aus neugierig bin, fällt es mir erheblich leichter meine Ansichten zu korrigieren. Grundsätzlich gilt, wer keine anderen Meinungen zu seinem Thema akzeptieren kann, verfällt solchen Fehlinformationen schneller. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle anderen zu doof sind, ist als eher gering einzuschätzen. Wenn es denn so sein sollte, müssen Deine Thesen schon bewiesen werden können und dies nicht nur mit rumschreien.

Wenn Lautstärke als Argument gilt

Lautes und ununterbrochenes Reden bzw. ständiges unterbrechen sind keine beweiskräftigen Vorgänge. Sie zeugen nur von einer Unfähigkeit, einen vernünftigen und objektiven Austausch stattfinden zu lassen. Männer sind für diese Art von Austausch leider anfälliger, denn die meisten von ihnen, definieren Kompetenz über die Anzahl der gesprochenen Worte. Es ist äußerst kompliziert sich mit solchen Personen auseinander zu setzen, denn sie fühlen sich von Dir immer bedroht und reagieren mit noch mehr Worten und abwehrenden Argumenten. Die “Kompetentesten” von ihnen, lassen Dir keine Sekunde Gesprächszeit. Meine Empfehlung lass sie liegen, erst dann wirst Du evtl. was erreichen. Andere Zeitgenossen sind so von sich überzeugt, dass sie selbst schon nicht mehr mitbekommen wie schief sie liegen.

Das größte Experiment der Geschichte

Wir alle sind Teil eines der größten Experimente. Wir haben keine Ahnung, was KI-Systeme noch so herausfiltern können. Ob diese Informationssammlung in irgendeiner Form schädlich sein könnten, stellt sich erst noch heraus. Es bleibt spannend.

Daniel Jörg Schuppelius

Assistent für Elektronik und Datentechnik

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