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Mehr Platz für Golfplätze als für erneuerbare Energien

Mehr Platz für Golfplätze als für erneuerbare Energien

Eine aktuelle Studie des Forschungszentrum Jülich zeigt etwas, das man eigentlich nicht erklären müsste – es ist aber offenbar notwendig: In vielen Industrieländern wird mehr Fläche für Golfplätze genutzt als für Wind- und Solaranlagen. Forschungszentrum Jülich

In den zehn Ländern mit den meisten Golfanlagen gibt es rund 38 400 Golfplätze weltweit. Mehr als 16 000 davon befinden sich in den USA, gefolgt von Großbritannien (≈ 3 100) und Japan (≈ 2 700). Und die Fläche, die diese Anlagen beanspruchen, ist nicht marginal: Golfplätze beanspruchen in vielen Fällen mehr Fläche als die Flächen erneuerbarer Energieanlagen vor allem im Vergleich zu Utility-Scale-Photovoltaik. In Deutschland beispielsweise ist die Fläche der Golfanlagen etwa 1,25-fach so groß wie die Fläche, die für Solaranlagen genutzt wird. juser.fz-juelich.de

Fläche ist Energie-Potenzial

Die Forschenden haben zusätzlich berechnet, welche erneuerbare Leistung auf diesen Flächen möglich wäre:

  • Würde man 25 % der Golfplatzflächen für erneuerbare Energien nutzen, könnten dort ≈ 281 GW Solarenergie oder ≈ 174 GW Windenergie installiert werden.
  • Würde man sogar 75 % nutzen, ließe sich eine Kapazität von ≈ 842 GW Solarenergie oder ≈ 659 GW Windenergie erzeugen – mehr als die aktuell in den Top-10-Ländern installierte Solarleistung von ca. 646 GW. Ingenieur.de

Diese Kapazitäten wären nicht nur theoretisch groß, sondern in vielen Fällen ausreichend, um bestehende oder mittelfristige Ausbauziele zu erreichen – wenn man Flächen anders priorisieren würde.

Flächenknappheit? Nur dort, wo sie politisch stört

Seit Jahren wird argumentiert, erneuerbare Energien würden zu viel Raum beanspruchen. Windräder „verschandeln“ angeblich die Landschaft, Solarparks seien flächenintensiv und regional unbeliebt. Doch plötzlich, wenn es um Golfanlagen geht, gilt diese Argumentation auffällig selektiv. Golfplätze benötigen enorme Flächen, oft mehrere Hektar pro Anlage – und dennoch gelten sie als legitime, kaum hinterfragte Nutzung. Forschungszentrum Jülich

Diese Selektivität ist kein Zufall.
Es ist implizite Klassenpolitik: Großflächige Nutzungen, die primär einer wohlhabenden Minderheit zugutekommen, gelten als akzeptabel. Infrastruktur, die allen dient, wird blockiert oder ausgebremst.

Flächenpolitik ist Sozialpolitik

Diese Schieflage passt in ein größeres Muster:

  • Arbeit wird höher besteuert als Vermögen,
  • Erbschaften bleiben weitgehend unangetastet,
  • Sozialversicherungen und Altersvorsorge werden zunehmend individualisiert.

Gleichzeitig werden Ressourcen und Flächen für privilegierte Nutzungen nicht ernsthaft hinterfragt. Die Botschaft lautet: Gemeinwohl muss sich rechtfertigen – Privilegien nicht.

Hohe Strompreise sind kein Naturgesetz

Viele Menschen klagen über hohe Strompreise in Deutschland. Oft wird suggeriert, dies sei eine zwangsläufige Folge der Energiewende. Diese Darstellung ist bequem – und falsch. Ein zentraler Kostentreiber ist nicht erneuerbarer Strom, sondern dessen politisch verschleppte Integration.

Transport statt Erzeugung verteuert Strom

Der Großteil der erneuerbaren Stromerzeugung entsteht im Norden Deutschlands. Der Verbrauch liegt im Süden und Südwesten – dort, wo Industrie und Ballungsräume liegen.

Was fehlt:

  • ein ausreichender Netzausbau,
  • ein dezentraler erneuerbarer Ausbau auch im Süden,
  • Speicher und Infrastruktur.

Das Ergebnis sind steigende Netzentgelte, hohe Redispatch-Kosten und teure Ausgleichsmaßnahmen, die letztlich die Verbraucherrechnung erhöhen.

Der eigentliche Irrsinn: Erneuerbare abschalten, Gas zuschalten

In bestimmten Netzsituationen werden erneuerbare Anlagen abgeregelt, während gleichzeitig teure Gaskraftwerke zugeschaltet werden, um Netzstabilität zu gewährleisten. Da der Strommarkt nach dem Merit-Order-Prinzip funktioniert, bestimmt häufig das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Strompreis – aktuell sind das oft Gaskraftwerke.

Die Folge:

  • günstiger, sauberer Strom wird nicht genutzt,
  • teurer fossiler Strom setzt den Marktpreis,
  • der Strompreis steigt.

Das Ergebnis ist nicht trotz erneuerbarer Energien teurer Strom – sondern wegen ihres unvollständigen, blockierten Ausbaus.

Deindustrialisierung fällt nicht vom Himmel

Wenn heute von „Deindustrialisierung Deutschlands“ gesprochen wird, klingt das oft wie eine externe Bedrohung: Globalisierung, geopolitische Spannungen, Weltmarkt. Das greift zu kurz. Ein strategischer Fehler war die bewusste Ausrichtung auf billiges russisches Gas als Grundlage der Energie- und Industriepolitik.

Billiges Gas als Strukturfehler

Über Jahre wurde russisches Erdgas nicht als Übergangsenergie gesehen, sondern als dauerhafte Lösung. Industriezweige wurden auf günstige Gaspreise ausgerichtet, echte Resilienz und Diversifikation blieben auf der Strecke.

Das war kein Unfall.
Das war eine politische Entscheidung.

Als diese Abhängigkeit wegbrach, zeigte sich: Es gab keinen belastbaren Plan B – nur teure Notmaßnahmen.

Hohe Energiepreise sind Symptom – nicht Ursache

Die Industrie leidet heute unter hohen Energiepreisen. Diese Preise sind nicht Folge von Klimaschutz, sondern von:

  • verspätetem Ausbau erneuerbarer Energien,
  • fehlenden Netzen und Speichern,
  • fossilen Abhängigkeiten,
  • politischer Kurzsichtigkeit.

Deindustrialisierung ist kein Naturgesetz.
Sie ist das Ergebnis falscher Prioritäten.

Wer zahlt die Rechnung?

Nicht diejenigen, die Flächennutzung blockieren oder privilegierte Strukturen verteidigen.
Gezahlt wird von:

  • Haushalten,
  • kleinen und mittleren Unternehmen,
  • energieintensiven Betrieben,
  • Sozial- und Sicherungssystemen.

Hohe Energiepreise wirken wie eine verdeckte Steuer. Sie treffen diejenigen am stärksten, die ohnehin einen größeren Teil ihres Einkommens für Grundversorgung aufwenden müssen.

Das Muster ist bekannt:
Gewinne werden privatisiert, Risiken sozialisiert.

Fazit: Zukunft ist Verteilung – nicht Verwaltung

Die Debatte über Golfplätze oder Solarparks ist keine Detailfrage. Sie ist ein Gradmesser politischer Prioritätensetzung.

Es geht um:

  • Flächenverteilung,
  • Energiepreise,
  • industrielle Zukunft,
  • soziale Gerechtigkeit.

Solange Infrastruktur für alle härter um Akzeptanz kämpfen muss als Freizeitprivilegien für wenige, wird sich an den Grundproblemen nichts ändern.

Denn am Ende gilt:
Zukunft wird nicht verwaltet – sie wird verteilt.

Und derzeit wird sie allzu oft dort verteilt, wo Widerstand gering und Privilegien hoch sind – statt dort, wo sie gesellschaftlich gebraucht wird.

Daniel Jörg Schuppelius

Selbstständiger IT-Dienstleister und Assistent für Elektronik und Datentechnik, Ich bin sozusagen Mädchen für alles was die Informationstechnik angeht. Kümmere mich gerne um Probleme, an denen andere Dienstleister scheitern und bin ständig auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Entwickle gerne Programme und Skripte und kümmere mich um diverse Blogs und Seiten. Auch sonst probiere ich mich an neuen Techniken aus, um mich noch unabhängiger von anderen Personen zu machen. Wenn du willst, dass irgendetwas funktioniert, dann kümmere dich immer selbst darum.

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